Blicke auf die Stadt

Bubbles from Tatjana Busch, Photo (c) Ralf Dombrowski

Ein Finale ist eine Grundsatzentscheidung. Denn an sich hat ein Veranstaltungsmarathon wie das Festival Out Of The Box, der Künstler mit Eis musizieren lässt, klanglich konzeptuelle Brücken zu Sensortechnik und Improvisation schlägt, einen Visionär samt Flügel über der Konzerthausbaustelle seine Soundwelten entwickeln oder auch Pioniere des Hör-Erlebens unter Wasser agieren lässt, kaum noch Möglichkeiten, sich zu übertreffen. Daher hat Dr. Martina Taubenberger als künstlerische Leiterin entschieden, den Schlusspunkt unter anderem mit einer Verankerung in der Münchner Musikwelt zu setzen. Als Abschluss der vier eindrucksintensiven Wochenenden spielen dabei an unterschiedlichen Orten des Werksviertels rund um die whiteBOX Bands wie Sewicide, die ihr introvertiertes Pop-Crossover im Duoformat mit Miniaturinstrumenten in einem Bus auf dem Knödelplatz präsentieren. The Hercules And Leo Case tauchen als Vokal-Trio in Atelierräumen im Werk 3 tief in experimentell hörspielartig angelegte Stimmcollagen ein, Leichtmetall gönnen sich als Performance-Duo den Spaß naiv-ironischer Glockenspiel-Perkussion mit Gesangs-Garnitur, während Verena Marisa beeindruckend voluminös die Synthetik des Theremin zu beherrschen weiß, das Duo Hugo Siegmeth und Axel Wolf wiederum zwischen Jazz und Alter Musik vermittelt und die junge Harfenistin Arden auf großen Pop Folk des angefangenen Jahres hoffen lässt.

Ein Kessel Buntes, einerseits, aber auch umfassende Bewegungs-Kunst auf der anderen Seite. Denn die Tanzperformance »Bubbles« von Tatjana Busch ließ famos poetische Bilder von getanzter Improvisation und farbig sich zu Raumbildern verbindenden Seifenblasen entstehen. Die winterlich dunkle, während des Festivals entwickelte Audio/Videointerpretation des Münchner Stadtraumes »Dissolving Localities« durch Emmanuel Witzthum warf einen ungewohnt bildakustisch in sich verschlungen fließenden Blick auf sonst vertraut wirkende Lokalitäten. Und ganz am Ende durfte schließlich noch getanzt werden, indie-poppig mit MariusOvanda und humorvoll synthie-funkig mit dem Trio Lovemen. So wurde das Finale auf seine Weise spektakulär, indem es dem frei über das Gelände schweifenden Publikum noch einmal die Vielfalt als Option präsentierte, diesmal nicht mit der großen Geste weltweit wahrgenommener Musikevents, sondern auch im Kleinen, Feinen lokaler Koryphäen.

Text und Bild: Ralf Dombrowski

Link: http://www.outofthebox.art/

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